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Preis für Fleischersatz: So teuer sind die Alternativen wirklich + Produktempfehlungen
15. Juli 2022
Der Preis für Fleischersatz ist hoch und sagt leider nichts über das Produkt aus: hier sind meine Produktempfehlungen!

Was mir bei meinen Einkaufstouren und den nachfolgenden Geschmackstests immer wieder auffällt ist, dass nicht nur die Umsetzung der Produkte extrem unterschiedlich ist, sondern auch der Preis für Fleischersatz Produkte sehr stark variiert. Das lässt sich von Seiten der Hersteller hervorragend durch das Jonglieren mit entsprechend dimensionierten Verpackungen und Gewichts-Variationen kaschieren.

Aus diesem Grund und zugunsten einer verbesserten Übersicht und Vergleichbarkeit hat der Gesetzgeber schon vor langer Zeit den so genannten Grundpreis eingeführt, der verpflichtend für die Händler parallel zum Produktpreis platziert sein muss. Doch ist dieser meist so klein und unscheinbar, dass die meisten Verbraucher diese wichtige Angabe oft übersehen. 

Preis für Fleischersatz - Alternative Produkte ohne Fleisch sind teurer

Preis für Fleischersatz: Grundpreis beachten!

Daher habe ich mich vor einigen Wochen entschieden, bei Produkttests diesen Grundpreis zusätzlich im Produktbadge am Ende eines jeden Tests auszurechnen und anzugeben. Dazu habe ich meine Datenbank durch eine entsprechende Formel erweitert und die gesamte Liste meiner Tests nach dem Grundpreis sortiert. 

Erkenntnis 1: Der Preis für Fleischersatz variiert bei den von mir getesteten Produkten zwischen 3,70 Euro / Kilo und stolzen 50 Euro / Kilo!

Die günstigsten Produkte

OK, beginnen wir mit den beiden günstigsten Produkten mit 3,70 bzw. 3,80 Euro pro Kilo, die allerdings kein klassischer Fleischersatz sondern Fertiggerichte sind: Vegane Vleisch Tortelloni und Veggie Lasagne Bolo, beide von der Aldi-Marke Mein Veggie Tag. Auch Platz 3 ist kein herkömmlicher Fleischersatz sondern eine Fischalternative: Vivera Vegane knusprige Stäbchen Meeres Art mit 4,80 / Kilo und der Ehrlichkeit halber auch nur, weil sie bei Discounter Penny im Testzeitraum im Angebot waren.

Auf Platz 4 und 5 folgen mehr oder weniger „echte“ Fleischersatz-Produkte, die bei mir jedoch eher als leckere Reibekuchen-Alternativen durchgingen: die The Wonder Burger (Kartoffeln) sowie The Wonder Hackbällchen. Beide von der Aldi-Eigenmarke mit einem Grundpreis von immerhin 6,30 Euro pro Kilo.

Fleischalternativen bis 10,- pro Kilo

Die nach dem Grundpreis sortierte Tabelle hat auch eine sehr positive Erkenntnis, denn gut umgesetzte Produkte müssen nicht zwangsweise teuer sein! Im Preisbereich bis 10,-/kg kann ich hier die das vegane Gyros mit Zwiebeln von Vemondo aus der Lidl-TK-Abteilung für 6,70/kg sowie die veganen Mini Frikadellen der Penny Eigenmarke Food for Future für 8,- /kg guten Gewissens empfehlen.

Leckeren Fischersatz bietet das frisch getestete und gerade erst vor wenigen Tagen mit dem Preis „Vegan Food Award 2022“ in der Kategorie „Fertiggericht, To-go & Co.“ ausgezeichnete Filee Bordelaise von Fisch vom Feld für 9,20 Euro pro Kilo.

Erkenntnis 2: Im Bereich bis 10,-/kg gibt es keinen einzigen veganen oder vegetarischen Aufschnitt!

Preis für Fleischalternativen von 10,- bis 20,- pro Kilo

Der Großteil der Fleischersatz Produkte tummelt sich im Bereich zwischen 10,- und 20,- Euro pro Kilo, hier ein paar handverlesene positive Beispiele aus unterschiedlichen Fleischersatz-Kategorien, die ich mit 5-Keulen bewertet habe:

 

Tatsächlich liegt der Preis für Fleischersatz im Bereich Wurst, Aufschnitt & Co. ebenfalls zwischen 10,- und 20,- Euro pro Kilo. Hier ein paar gute Produkte, die ich mit 5-Keulen bewertet habe und mit denen Ihr guten Gewissens Eure Stulle belegen oder beschmieren könnt: 

 

Erkenntnis 3: Auffällig ist, dass Aufschnitt-Alternativen bzw. Wurstersatz tendenziell noch teurer ist als klassischer Fleischersatz!

Grundpreis >20,- pro Kilo

Ausgerechnet im hohen Preisbereich tummeln sich vor allem viele gefloppte, wirklich nicht leckere Produkte, die ich mit einer 1-Keulen-Bewertung versehen habe und die ich an dieser Stelle für nicht erwähnenswert halte. Wer sich informieren möchte, um einen Bogen um diese Produkte zu machen, findet hier die Produkte mit 1-Keulen Bewertung. Ich konzentriere mich an dieser Stelle lieber auf die wenigen sehr guten hochpreisigen Fleischersatz Produkte.

Erkenntnis 4: Es gibt überproportional viele teure Produkte, die nicht überzeugen konnten!

Aus der Kategorie „wenn schon teuer, dann aber auch lecker!“: Das Plant-based Steak von The Green Mountain für 22,50/kg sowie der Beyond Burger von Beyond Meat, den es zu extrem unterschiedlichen Preisen (z.B. Aldi Nord 17,60/kg oder bei diversen Online-Händlern für bis zu 38,-/kg!) und dann auch nur recht selten zu kaufen gibt.

Sorry, ich kann’s mir an dieser Stelle echt nicht verkneifen: Das teuerste und zugleich schlechteste Produkt in meiner Datenbank ist kein Fleisch- sondern Fischersatz und kommt von Veganz: Der glubbschige Räucherlaxs für stramme 50 (!!!) Euro pro Kilo. Dafür muss ein echter Lachs verdammt lange gegen den Strom schwimmen…

Preis für Fleischalternativen höher als bei vergleichbaren tierischen Produkten

Wer sich mit Fleischersatz auseinander setzt, stößt unweigerlich auch auf das zweite Ärgernis neben den grundsätzlich hohen Preis- und Geschmacksunterschieden: Pflanzenbasierte Fleischalternativen sind fast immer teurer als das Fleisch-Original! Deutlich wird das im Supermarkt, wenn die Produkte der klassischen Fleischverarbeiter wie beispielsweise Gutfried oder Rügenwalder Mühle direkt neben den alternativen Produkte platziert sind und so der direkte Vergleich leichter fällt.

Das liegt unter anderem am ermäßigten Steuersatz auf Fleisch- und Milchprodukte, denn diese werden nur mit 7% besteuert, die alternativen Produkte jedoch mit regulären 19%, was den Fleischersatz (aber auch vegane Milch und Käse) im Supermarkt pauschal 12% teurer macht.

Aktuell wandelt sich das Preisverhältnis zwischen Fleisch/Fleischersatz zwar etwas, das liegt aber nicht daran, dass Fleischersatz günstiger wird, sondern Fleischprodukte aufgrund der globalen Auswirkungen von Ukraine-Krieg & Co. teurer werden. Wie wir die Industrie kennen, werden die Preise auch im Fleischfrei-Sektor eher kurz- statt langfristig ebenfalls anziehen. Bei der grundsätzlichen Frage: „Warum zum Geier ist der Preis für Fleischersatz so hoch?“, antwortet die Lebensmittelindustrie mit folgenden Thesen:

  1. „Die Rohstoffe sind sehr teuer“
  2. „Die Entwicklungskosten sind so hoch“
  3. „Das Marketing für ein neues, erklärungsbedürftiges Produkt ist sehr teuer“

Diese Thesen entkräftet ein interessanter Beitrag des NDR, den Du Dir auf Youtube anschauen kannst:

Warum Fleischersatz so teuer ist.

Mein Fazit, mein Appell – und meine Kritik

Allerorten hört man die Sektkorken knallen – es herrscht Goldgräberstimmung in der Lebensmittelindustrie! Denn kein anderer Bereich außerhalb der Fleischersatzproduktion kann sich über derart hohe Wachstumsraten und Gewinne freuen. Während in anderen Bereichen ein Endverbraucherpreis sauber kalkuliert werden muss (Rohstoffpreis + Produktion + Vertrieb + Administration + Gewinn), um König Kunde zum Kauf zu animieren, wird bei Fleischersatz der Preis festgelegt, den die Verbraucher bereit sind zu zahlen und das ist augenscheinlich der Höchstpreis! Wir können also den Preis mehr oder weniger mitgestalten, indem wir teure Produkte eher meiden und günstige bevorzugen. Klingt logisch, oder?

Wenn es sich nicht gerade um ein echtes Start-Up handelt, das die Zeichen der Zeit erkannt hat und wirklich was verändern möchte, sondern um einen klassischen Fleischverarbeiter, der parallel auf Fleischersatz geht, sind die Produktionsanlagen auch für alternative Produkte grundsätzlich vorhanden – hier geht es rein um technische Umstellungen auf neue Rezepturen und den Einsatz neuer Proteinquellen. Neue Maschinen müssen nur her, wenn zusätzlich zu herkömmlichen Fleischprodukten auch Fleischersatz produziert werden soll, um die gewünschten Kapazitäten für den Einzelhandel auch liefern zu können.

Mission: Umsatz- und Gewinnsteigerung

Kein Wunder, wenn Firmen wie Rügenwalder sogar ihre traditionelle Fleischfabrikation outsourcen, da der Fleischersatz wie Schmitz Katze läuft, viel mehr Gewinn bringt und die Maschinen damit 24/7 ausgelastet sind. Oder Unternehmen wie Tönnies, die nun wirklich nicht im Zusammenhang mit Umwelt, Tierwohl oder „Verantwortung gegenüber der Menschheit“ im gleichen Atemzug genannt werden können. Wenn solche Unternehmen ganz plötzlich ihre nachhaltige, vegane greenwashing Seite entdecken und ebenfalls auf den Plantbased-Zug aufspringen, hat dies ausschließlich mit Gewinnmaximierung zu tun. Noch ein schönes Beispiel?! Die Konzerne Nestlé sowie Unilever sind ebenfalls nicht gerade bekannt für ihre besonders humanitäre oder nachhaltige Vorgehensweise – sondern eher für gezielte Expansions- und Umsatzpolitik und daher fliegt mir bei manchem trendigen, hippen Werbeslogan des einen oder anderen Unternehmens zum Thema „Wir machen das alles nur für die Umwelt, für die Tiere und für Euer Wohlbefinden“ so richtig der Draht aus der Mütze…

Auch die Rezepturen sind keine Atomphysik sondern „nur“ ein bisschen Chemiebaukasten für Kids plus Blick in die Produktkataloge der Anbieter von Methylcellulose, Fasermischungen, Pflanzenproteinen und Co. Hier müssen die Fleischersatz-Produzenten nicht einmal das Rad neu erfinden, sondern sich lediglich mit ein wenig Kreativität in den Regalen der Chemie- und Rohstoff-Unternehmen bedienen. Nach über 250 getesteten Produkten habe ich ohnehin das Gefühl, dass viele Produktentwicklerteams ihre Schöpfungen ohne teure Markforschungen und Verkostungstests in den Markt drücken und lieber dem Verbraucher das „Beta“-Testing überlassen – das spart Zeit, Ressourcen und Kosten!

Wie schnell kannst Du liefern? Antwort: „Ja!“

Das kennt man so auch schon aus der Software- und speziell der Spieleentwicklung. Da wird ein halbgares Produkt schnell-schnell auf den Markt geworfen und anhand des (meist negativen…) Feedbacks der Käufer(!) im Laufe der Zeit nachjustiert und gepatcht. Hier nennt man es Update – in der Lebensmittelindustrie Rezeptoptimierung („Jetzt mit neuer verbesserter Rezeptur„). The Winner takes it all. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Oder anders: Wer zu spät mit trendigem Fleischersatz um die Ecke kommt, wurde bereits von dutzenden Mitbewerbern überholt, die sich schon frühzeitig ihre Marktanteile gesichert haben. Das gilt sowohl für die Hersteller, als auch den Einzelhandel. Anders kann ich mir Produkte wie das Bifi-Debakel oder die geschmacklichen Entgleisungen anderer Hersteller nicht erklären…

Also Augen auf beim Fleischersatz-Kauf! Den Preis für Fleischersatz bestimmen wir selbst, indem jeder für sich entscheidet, was er wirklich bereit ist zu zahlen. Mittlerweile gibt es eine wirklich große Auswahl an Fleischersatzprodukten, was den Griff zu einem guten und günstigem Produkt viel einfacher macht. Und auch, wenn es in den Supermärkten meist nur begrenzte Sortimente gibt – wir müssen uns nicht mehr mit lieblosen, hingeferkelten Produkten zufrieden geben. Die Produkte werden immer besser und der Markt wird sich selbst regulieren, wenn wir nicht jedes Me-too-Produkt stumpf kaufen, essen und es uns mit „Naja, ist nun mal kein echtes Fleisch“ schönreden.

Positiv betrachtet…

Das gilt in gleichem Maße übrigens auch für die fleischfreien Produkte jenseits von Fleischersatz! Gelb gefärbtes Kichererbsenmehl als Ei-Ersatz für 33 Euro pro Kilo (Einkaufspreis 4,-/ Kilo!) zu verticken ist und bleibt auch in Zukunft echt eine Frechheit, vor allem, wenn das Plastikfläschchen drumherum das vielfache des Inhalts kostet! Ich bleibe weiter für Euch (ja, auch für mich…) am Ball und werde wohl oder übel auch die hochpreisigen Produkte für Euch (ja, auch für mich…) durchnudeln – und entsprechend darüber berichten! Unabhängig, unbestechlich und unbeeindruckt, welcher Hersteller mal wieder ein „Das schmeckt jetzt gar nicht mal so lecker“-Produkt verzapft hat!